Rhabdomyolyse – CrossFit-Krankheit!?

Hallo zusammen,

heute habe ich zwei Themen.

Zum einen möchte ich euch von meinem kleinen Extreme-Endurance-Selbsttest berichten. Zum anderen soll sich dieser blog-Eintrag dem Thema Rhabdomyolyse widmen.

Fangen wir kurz mit dem Produkt der Firma XEndurance an, welches von namenhaften Sportlern, wie von der Gewinnerin der CF-Games 2014, Camille LeBlanc-Bazinet, sowie dem achtfachen Iron Man Champion Timo Brecht und anderen Ausdauersportlern empfohlen wird.
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Dieses Produkt habe ich für acht Tage getestet. Mir wurde empfohlen, am ersten und am letzten Tag des Selbstversuchs ein ausdauerlastiges Workout wie Karen zu machen. (150 Wallballs for time)

XEndurance schreibt sich selbst auf die Fahne:
– Muskelschmerzen und –brennen zu lindern
– Für schnellere Regeneration nach Sport zu sorgen
– Milchsäure in den Muskeln zu reduzieren
– Und allgemein die aerobe Leistungsfähigkeit zu steigern
– Es ist dopingfrei (Ganz wichtig auch für Leistungssportler und Athleten, die den Wettbewerb suchen)
– Muskeltrauma während des Sports und somit das Risiko auf Erkrankung an Rhabdomyolyse vorzubeugen

Bevor ich zu dem Ergebnis meines Test komme…

Als ich mich 2012 das allererste Mal mit CrossFit beschäftigt und meinen besten Freund Google nach Input gefragt habe, wurde sofort nach der Eingabe „CrossFit…“ das Wort „…Rhabdo“ vorgeschlagen.

Beim Anklicken häuften sich blog-Einträge, sportmedizinische Berichte, sowie diverse persönliche Erfahrungsberichte von CrossFit-Anhängern und (häufiger) CrossFit-Feinden. Über dramatisierten Hassparolen, die sich gleich auf den gesamten Sport ausweiteten, bis hin zur Verharmlosung der Krankheit von nimmersatten Extremsportlern und der Grundstimmung „Sind alle selber schuld, die das bekommen“ war alles dabei.

Fakt ist: Rhabdomyolyse ist eine Krankheit, an der man nicht ausschließlich durch Sport erkranken kann und auch insbesondere nicht nur durch den Sport CrossFit. ABER: Der Sport bietet unter bestimmten Voraussetzungen ein Risiko. Das verheimlicht CrossFit (das Unternehmen) auch keineswegs. Auf der offiziellen Homepage, sowie in jeglichen Seminaren und Kursen wird man über die Risiken aufgeklärt und auch, wie man sie minimieren kann.

Wer das mal nachlesen möchte:
http://library.crossfit.com/free/pdf/CFJ_Wright_Rhabdo.pdf 
und 
http://www.crossfit.com/journal/library/38_05_cf_rhabdo.pdf

Ich habe aus aktuellem Anlass im Freundeskreis einmal etwas detaillierter recherchiert, weil mir die kurzen und knappen Erklärungen bei Wikipedia und Netdoc nicht gereicht haben. Hier möchte ich euch gern mein erlangtes Wissen gebündelt weitergeben. 🙂

(short as possible) Was ist Rhabomyolyse ?

Unter Rhabdomyolyse versteht man die Auflösung quergestreifter Muskelfasern. Diese Auflösung passiert u.a. durch Krämpfe in den Muskeln. Hauptsymptome sind Muskelbrennen, geschwollene, weiche Muskeln und dunkler Urin (Cola-farbig).
Mögliche Folgen: Schmerzen, Schwindel, Erbrechen, Kollaps, Gefahr auf schweren Nierenschaden. Im schlimmsten Fall mit tödlichen Folgen.
Das klingt unschön, oder?

Fangen wir aber mal etwas langsamer an, es erkrankt ja schließlich nicht jeder CrossFiter daran. Die Krankheit ist global gesehen eher selten.

Vorab kurz zu unserer Muskulatur: Man unterscheidet Muskulatur grob in glatte und querstreifige Muskulatur. Glatte ist Muskulatur, die wir nicht selbst bewusst steuern können, z.B. im Darm. Die querstreifige Muskulatur unterteilt man noch mal in Herzmuskulatur und Skelettmuskulatur.

Wenn wir unsere Muskeln anspannen, geht das 1. Konzentrisch (Muskel zieht sich zusammen), 2. Isometrisch (Muskel hält die Spannung) 3. Exzentrisch (Muskel dehnt sich aus). Bei der exzentrischen Muskelkontraktion sind die Muskelfasern am meisten dem Risiko ausgesetzt, zu reißen.

Wie reißen denn diese querstreifigen Muskelfasern?

Die Verletzung der Muskelfasern kann aus vielen Gründen entstehen. Die häufigsten sind Muskeltrauma und Quetschungen (z.B. durch Verletzungen bei einem Unfall), Verbrennungen, längeres Koma, hervorgerufen durch das zu lange Liegen, schwere Muskelkontraktionen z.B. durch Krampfanfälle, aber auch durch extreme körperliche Aktivitäten und Entzündungen im Muskel. Nicht zu vergessen aber auch Gründe wie Kokain, Alkoholvergiftung und Medikamente, wie Cholesterinsenker, Psychopharmaka, Schlafmittel und Anästhesie Medikamente. Auch Viren, Bakterien, Gifte werden genannt.

Sportler-Ohren klingeln jetzt wahrscheinlich vor allem bei Muskelkrämpfen und -entzündungen.

Was passiert bei Rhabdomyolyse im Körper?

Wenn die Muskelfasern zerstört werden, was sich durch ein starkes Brennen während oder erst später nach der Kontraktion bemerkbar macht, tritt aus dem Muskel ein Protein aus. Das sogenannte Myoglobin, was im Muskel für den Sauerstofftransport zuständig, gelangt dadurch –völlig fehl am Platz – in unseren Blutkreislauf. Von hier aus wird es dann von den Nieren mit dem Urin wieder abgestoßen. Das bewirkt dann auch, dass der Urin sich bräunlich färbt. Alles, was aber nicht ausgeschieden wird, sorgt dafür, dass die Niere verstopft und nicht mehr richtig arbeiten kann. Je länger die Niere dieser Belastung ausgesetzt ist, desto höher ist das Risiko an einer akuten Niereninsuffizienz zu erkranken.

Was dann passieren muss – und das möglichst schnell nach den ersten Anzeichen – ist eine „focierte Diurese“ – sprich, die Nieren müssen durchgespült werden. Mittels Infusionen, bis das Protein wieder vollständig ausgeschieden ist um Folgeschäden zu vermeiden. Dies kann aber schon ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt sein. Anschließend ist eine Belastung der betroffenen Muskelgruppe, sowie allgemein Sport erst mal sehr vorsichtig zu geniesen.

Im Netz findet man dann leider so Fazits wie: Mach kein CrossFit! Dann biste selber schuld!

Finde ich etwas radikal. 1. ist es ja keine reine CrossFit-Krankheit, nur das Risiko wird dadurch erhöht was durch 2. vernünftigen sportlichen Umgang mit seinem Körper minimiert bis ausgeschlossen werden kann.

Wie schütze ich mich also vor Rhabdo?

Darüber habe ich mich informiert.
Im Grunde muss man vermeiden, seine Muskeln einen zu intensiven Stress auszusetzen, was beim CrossFit hier und da schwer werden kann. Hier ist wieder die Vernunft die Antwort.

–          Vorher, während und nach dem Sport immer ausreichend dafür sorgen, dass der Körper nicht dehydriert.

–          Nach längerer Sportpause in der ersten Woche auf Vollgas verzichten. Das alte Pensum kommt zurück, doch das müssen wir unseren Muskeln langsam wieder zu verstehen geben! 😉

–          Als Sporteinsteiger kein von Null auf Tausend, denn auch hier ist der Körper womöglich nicht darauf vorbereitet.

–          Wer krank ist, gehört ins Bett und nicht in die Box oder ins Gym oder in eine sonstige sportliche Situation!

–          Wer Medikamente deshalb nehmen muss erst recht nicht!

–          Warmup ist Pflicht! Sowie auch ein Cooldown und regelmäßiges Dehnen helfen den Muskeln, sich vor stressigen Kontraktionen zu schützen.

–          Wenn mal doch während des Sports ein Muskel krampft oder schmerzt, ist nicht gleich das eigene Leben in Gefahr. Doch sollte man auch die Warnhinweise seines Körpers hören und dann einen Gang zurück schalten. Regenerationszeit verlängern, betreffende Muskelgruppe moderat und leicht belasten.

Fazit:

Nicht jeder CrossFiter erleidet Rhabdo. Sowie auch nicht jeder Alkoholiker, Kokainkonsument, bettlägerige Koma-Patient oder einfach nur Mensch, der Cholesterin-senkende Mittel nehmen muss. Doch das Risiko steigt, je mehr wir diese Faktoren erhöhen und bis ins Extreme treiben.

Somit ist es als Sportler immer wichtig, die oberen Punkte zu beachten um das Risiko zu minimieren und weiterhin Spaß und Erfolg am Sport zu haben!

2

So, nun aber zurück zu meinem Extreme Endurance Test.

Mir wurde empfohlen, drei Tabletten morgens und drei abends einzunehmen, für insgesamt 8 Tage.

Am ersten Tag habe ich dann Karen gemacht.

Ich kann leider niemanden verstehen, der Karen als WOD bevorzugt. Es ist eintönig und dazu auch noch bestialisch ekelig. 150 Wallballs for time machen mir zumindest keinen Spaß. 😀

Am ersten Tag schaffte ich es in 10:49. Ich höre schon die Schreie: „Waaas, so lange???“ – „Ja, so lange!“ Ich wusste die vorgegebene Höhe nicht und habe einfach die genommen, die mir in der Box zur Verfügung stand. Später habe ich gelesen, dass ich nicht so hoch hätte werfen müssen. Ich bin mir aber nicht sicher, dass ich bei der richtigen Höhe sehr viel schneller gewesen wäre. Im Grunde auch egal, da ich das Workout einfach genau an der selben Stelle, mit dem selben Ball, die selbe Höhe acht Tage später wiederholt habe. Ergebnis: 9:43. Eine Minute weniger von der qualvollen Karen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis aber wohl eine gängige Steigerung bei Nicht-Topathleten.

Auch bei der Regeneration habe ich durch das Produkt Extreme Endurance definitiv eine riesen Steigerung bemerkt. Beim Rudern, Laufen, in EMOMs und AMRAPs ist es mir besonders aufgefallen, dass die Ausdauer viel besser geworden ist.

Ich bin auf jeden Fall so zufrieden, dass ich das Produkt weiterhin nehmen werde.

Ansonsten hoffe ich, dass ich dem einen oder anderen, der sich über Rhabdomyolyse informieren wollte, weiterhelfen konnte.

Wir lesen uns wieder! Bleibt sportlich, Leute!

Eure Jennie von CrossFit First Class

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