CrossFit restricted – Knee issues part 2

Kurzes Vorwort:
Dies ist der zweite Beitrag aus der Reihe „CrossFit restricted“.
Ich habe diverse Interviews geführt. Mit vielen Athletinnen und Athleten, die CrossFit aktuell ausüben oder derzeit pausieren müssen. Aber auch mit jemandem, der sich nach einer Verletzung entschieden hat, mit dem Sport aufzuhören. Alle samt mit den unterschiedlichsten Motivationen, was wichtig ist, um das Thema von so vielen wie möglichen Punkten zu betrachten: Fitnesssportler, ehemalige Wettkampfsportler, Coaches oder Owner, alle haben mir viel Feedback gegeben und geholfen, diese Reihe zu veröffentlichen – vielen Dank an dieser Stelle!
Zusätzlich habe ich mich mit den Erkrankungen und Verletzungen selbst beschäftigt.
Ziel ist es der Antwort auf die Frage näher zu rücken, ob CrossFit als Sport für jedermann wirklich umsetzbar ist und wie wir als Coaches damit umgehen sollten.
Bisher erschienen:
„CrossFit with Restrictions – Einleitung“
„CrossFit Restricted – Knee issues Part 1“


„CrossFit restricted – Knee issues part 2“

(Jumpers Knee)

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Equipment wird zur Notwenigkeit

Vom kleinen Zwicken im Knie bis hin zur Bewegungseinschränkung – das Patellaspitzensyndrom hat viele Gesichter. In den meisten Fällen ist dieses Syndrom kein Weltuntergang – weder für Nicht-, noch für Hobby- oder Leistungssportler. Allerdings sollte es – wenn man denn nicht langfristig damit zu kämpfen haben möchte und auf kurz oder lang zu einer wesentlich schlimmeren Geschichte werden kann – immer behandelt werden.

Mein Arzt hat es damals so schön ausgedrückt: Knieschmerzen sind immer ernst zu nehmen, denn sie heißen immer, dass etwas überlastet ist.

In den folgenden Beiträgen, die sich alle noch mit dem Knie beschäftigen, wird es noch drei Interviews von Personen aus unserer Box (CrossFit First Class) geben, die sich alle mit diesem Syndrom beschäftigen müssen. Eine Person, die noch mitten im Heilungsprozess ist (Lennart), eine, die aktuell wieder normal trainieren kann (meine persönliche Erfahrung) und eine Person, die sogar gerade eine OP hinter sich hat (Dennis).

Aber erst mal zu der Frage:

Was ist überhaupt ein Patellaspitzensyndrom?

Das Patellaspitzensyndrom – auch „Jumpers Knee“ genannt – erhält man nicht nur, wie es aufgrund des Namens den Anschein hat, durch Laufen, Sprinten und Springen. Die Ursachen sind vielseitig und der Betroffenen-Kreis breit gefächert.

Es handelt sich dabei um eine Überlastungserkrankung der Patellasehne, welche die Kniescheibe mit dem Schienbein verbindet. Ohne diese Sehne könnte der Quadrizeps (die Vorderseite des Beinoberschenkels) keine Kniestreckung ausführen.

Und weil eine aktive Beinstreckung u.a. bedeutet, sich vom Boden abzustoßen, aber auch, beim Landen zu stabilisieren, tritt das Patellaspitzensyndrom häufig bei  Sprungspringarten auf. Da, wo viel gesprintet und gelaufen wird mit häufigen Richtungswechseln und Sprüngen. Allgegenwertig bei Ballsportarten, wie Fuß-, Basket-, Volley- und Handball  – aber auch beim CrossFit.

Aber nicht nur aktive Überlastung kann zu dem Syndrom führen, auch mangelnde Flexibilität oder eine Fehlstellung bzw. -ausrichtung, die das Gelenk beeinflussen – also nicht nur in der Region „Knie“ selbst. Verkürzte Bänder und Sehnen in der Hüfte können genauso zu einer Reizung der Sehne im Knie führen, wie lokal am Knie. Sowie auch ein falscher Bewegungsablauf durch eine Fehlstellung in der Hüfte oder im Fuß die Ursache sein kann. Natürlich kann demnach auch Übergewicht die Überlastung auslösen.

Die Recherche nach dem Warum und der dazugehörigen Therapie ist manchmal knifflig und meist nicht allein ohne fachmännische Hilfe zu ermitteln.

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Aber wie erkenne ich den Schmerz und somit die Warnung?

Bei den meisten wird das Knie erstmal druckempfindlich im Bereich unter- und oberhalb der Kniescheibe. Manchmal fühlt die Sehne sich steif an oder der Quad tut weh beim Anspannen.

Später kann es passieren, dass die Sehne dicker und die Stelle wärmer wird. (Entzündung der Patellasehne)

Um dann Herauszufinden, ob man an dem Syndrom leidet, führt vom üblichen Belastungstest (maximale Streckung und Beugung) bis hin zum MRT, um die Verletzung der Patellasehne zu überprüfen und ggf. eine Degeneration zu erkennen.

Die Schweregrade des Syndroms lassen sich durch einen Schmerzgrad einordnen; Grad 1 (Schmerz nach Belastung), Grad 2 (Schmerz vor+nach Belastung, welcher nach dem Aufwärmen nachlässt), Grad 3 (einschränkender Schmerz bei Belastung) und final Grad 4 (Schmerz bei alltäglicher Belastung mit steigender Auswirkung)

Jetzt sagt ihr vielleicht: Okay, mein Knie tut (beim Sport) auch manchmal weh – aber das ist doch bestimmt nix ernstes!?
Das habe ich auch gedacht und – ja – das ist um Grunde auch nicht falsch. Nicht jeder Schmerz ist ein Jumpers Knee – aber ich berufe mich auf die Aussage meines Arztes: Jeder Schmerz im Knie ist ernst zu nehmen. Einer Überlastung sollte entgegengewirkt werden, bevor sie etwas Ernstes wird.

Für die Therapie muss also folgendes Ermittelt werden – stellt euch also beim Arzt auf die Fragen ein:

  • Erst definiert der Arzt euren Schmerzgrad. Wie sehr tut es weh. Wobei tut es weh. Wo genau tut es weh.
  • Dann ermittelt der Arzt die Herkunft des Schmerzes. Welchen Sport übst du aus. Kann Übergewicht der Grund sein. Ist es eine Muskuläre Dysbalance. Oder eine Fehlstellung der Füße.

U.a. daraus leitet der Arzt die Therapie ab.

Zu Beginn startet es immer mit der herkömmlichen Therapie

Meist beginnen die Ärzte mit der konservativen Behandlungstherapie, bevor eine operative Behandlung in Betracht gezogen wird.

Je nach Schmerzgrad und Befund ist hier der herkömmliche Weg:

Tut das Knie nur nach der Belastung weh (1. Grad), muss man nicht zwangsläufig pausieren mit dem Sport und auf gar keinen Fall in eine Schonhaltung verfallen.
Hier beginnt man mit der Kältetherapie – die betroffene Stelle wird nach dem Training gekühlt, zur Linderung des Schmerzes und Vorbeugen, wie auch ggf. zur Therapie einer Entzündung.

Je nach Sportart bietet sich an bei Belastung der Beine eine Bandage zu tragen, Knee Wrists zu wickeln oder andersweitig das Knie zu stabilisieren. Mittels Spangen z.B. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Hier sollte man sich nicht einreden lassen, dass diese Hilfsmittel zur Linderung und/oder Vorbeugung die Stabilität des Knies schwächen. Die Stabilität benötigt das Knie mit dem Syndrom nunmal einfach.

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Bandagen und richtiges Schuhwerk bei allen Bewegungen, die die Patella unter Stress setzen

Wenn das Knie vor und nach der Belastung weh tut, es jedoch nach dem Aufwärmen und während der Belastung schmerzfrei ist (Grad 2), sollte das Training zusätzlich angepasst werden, damit die Sehne weniger belastet wird. Viel wiederholtes Beugen und Strecken sollte man dann vermeiden.

Bei Grad 3, wenn der Schmerz bei Belastung einschränkend ist, wird empfohlen, die Belastung ganz einzustellen. Nur, wenn der Schmerz es zulässt darf man Schwimmen, um das Gelenk (sportlich) zu bewegen.

Wenn das Knie dann bei alltäglichen Belastungen, wie Treppensteigen, Einkaufen etc. schmerzt (Grad 4), dann wird euch der Arzt eine Ruhepause empfehlen, welche mindestens 3 Monate beträgt.

Der Besuch eines Physiotherapeuten bietet sich, egal welcher Schmerzgrad diagnostiziert wird, ebenfalls an – sowas verschreibt der Arzt im Normalfall auch. Hier wird die Sehne massiert und es können Programme zur Stärkung und Dehnung erarbeitet werden.
Hier wird an der Stärkung des Quadrizeps gearbeitet. Allerdings durch exzentrische Übungen. Diese hier wird einem meist verschrieben:

Damit wird der Muskel gestärkt und gleichzeitig gedehnt.

Außerdem soll „der Rest“ gestärkt werden durch spezielle Trainingsübungen für die Wade und der Beinbeuger (Rückseite).

Je nach Schmerz und Zustand der Sehne, werden auch entzündungshemmende Medikamente verschrieben. Da muss man dann wirklich beim Training vorsichtig sein. Dadurch, dass man den Schmerz ggf. nicht mehr wahrnimmt, denkt man sich plötzlich „Ah, jetzt ist es ja wieder okay, kann ich wieder trainieren!“

Stoßwellentherapie ist ebenfalls eine Behandlungsmethode. Sie gilt noch als relativ moderne Therapie und wird daher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Zu Details sprecht dazu aber gern den Arzt (Sportortophäden) eures Vertrauens an.

Was, wenn die herkömmliche Therapie keine Linderung schafft?

Das, was keiner möchte: Dann muss operiert werden. Diese Entscheidung trifft so gut wie kein orthopädischer Chirurg schnell und gern. Denn die Entscheidung, eine OP vorzunehmen, muss wirklich bedeuten, dass die konservative Therapie keine Früchte trägt.
Es heißt leider, dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt.

Wann ist das der Fall?

Da gibt es mehrere Gründe. Wenn sich beispielsweise die Sehne degenerativ verändert. Wenn sie sich zersetzt. Die Schmerzen sind dann spürbar und die Bewegungseinschränkung nicht mehr zu verbergen.
(Denkt immer dran, ich bin kein Arzt – ich kann nur Beispiele nennen, mit denen ich vertraut bin und über die ich gelesen habe.)

Was wird bei der OP gemacht?

Auch das ist abhängig von dem Befund. Im Beispiel oben würde möglicherweise degeneriertes Gewebe abgetrennt werden. Je nach dem, wie viel das ist, wird bewertet, ob der Rest der Sehne anschließend ausreicht, um das Knie zu bewegen. Wenn nicht, muss ein Teil der Sehne ergänzt werden – in Form einer körpereigenen Sehne.

Der weitere Verlauf ist nicht klar definierbar. I.d.R. folgt ein Rehabilitationsprogramm. Je nach dem, wie der eigene Körper und die Sehne auf diesen Eingriff reagiert, kann der Heilungsporzess sehr lange dauern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sehne das neue Gewebe akteptiert, ist leider nicht allzu hoch.

Fazit

Ich weiß, jetzt habe ich bestimmt einigen, die Knieschmerzen haben eine Heidenangst eingejagt. Das ist natürlich nicht mein Ziel – jedoch kann man es nicht schön reden. Wenn man sich um das Problem nicht kümmert, provoziert man weitaus schlimmere Aussichten, als sich regelmäßig zu dehnen und auch mal spezielles Training für die Rückseite in seinen Plan einzubauen.
Außerdem sollte man dringend beachten, dass die Heilung langwierig und mit Fort- und Rückschritten verbunden ist.

Zu den vorbeugenden Übungen und den Skalierungen bzw. Abwandlungen in einem CrossFit Workout gehe ich in dem fünften Knie-Beitrag etwas genauer ein.

FotorCreated

Scaling for beginner & advanced

Heute danke ich euch fürs Lesen!

Vorschau für den nächsten Post:
CrossFit restricted – Knee issues part 3

Interview mit Lennart und Jennie

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4 Kommentare zu “CrossFit restricted – Knee issues part 2

  1. Pingback: CrossFit restricted – Knee issues part 1 | Coach Jott alias Jennie Schwarzer

  2. Pingback: CrossFit restricted – Knee issues part 3 | Coach Jott alias Jennie Schwarzer

  3. Pingback: CrossFit restricted – Knee issues part 4 | Coach Jott alias Jennie Schwarzer

  4. Pingback: CrossFit restricted – Knee issues part 5 | Coach Jott alias Jennie Schwarzer

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