CrossFit restricted – Knee issues part 4

Kurzes Vorwort:
Dies ist der vierte Beitrag aus der Reihe „CrossFit restricted“.
Ich habe diverse Interviews geführt. Mit vielen Athletinnen und Athleten, die CrossFit aktuell ausüben oder derzeit pausieren müssen. Aber auch mit jemandem, der sich nach einer Verletzung entschieden hat, mit dem Sport aufzuhören. Alle samt mit den unterschiedlichsten Motivationen, was wichtig ist, um das Thema von so vielen wie möglichen Punkten zu betrachten: Fitnesssportler, ehemalige Wettkampfsportler, Coaches oder Owner, alle haben mir viel Feedback gegeben und geholfen, diese Reihe zu veröffentlichen – vielen Dank an dieser Stelle!
Zusätzlich habe ich mich mit den Erkrankungen und Verletzungen selbst beschäftigt.
Ziel ist es der Antwort auf die Frage näher zu rücken, ob CrossFit als Sport für jedermann wirklich umsetzbar ist und wie wir als Coaches damit umgehen sollten.
Bisher erschienen:
„CrossFit with Restrictions – Einleitung“
„CrossFit Restricted – Knee issues Part 1“
„CrossFit Restricted – Knee issues part 2“
„CrossFit restricted – Knee issues part 3“


„CrossFit restricted – Knee issues part 4“

(Interviews mit Dennis)

Heute folgt das letzte Interview zum Spezial-Thema Knie. welches ich mit Dennis geführt habe.

Dennis

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Zu seiner Person:
Dennis hat einen sehr interessanten und umfangreichen Werdegang hinter sich und gehört – für mich – zu einer der vielseitigsten Persönlichkeiten, die ich bisher kennengelernt habe.
Sein beruflicher Weg führte ihn über die Bundeswehr (Leutnant d.R., Fallschirmjäger und Infanterist Spez.Op. – einer Einheit der Eingreifkräfte der BW mit dem Hauptauftrag deutsche Staatsbürger aus Krisengebieten zu evakuieren) weiter zum Dachdecken (Geselle) und final zur Berufsfeuerwehr (Beamter).
Sportlich war sein Weg ebenfalls sehr umfangreich. So hat er als Kind früh mit dem Turnen begonnen und wurde dort durch sehr viel Arbeit (denn Talent hatte er leider nicht 😀 ) zu einem passablen Turner. Vor allem die Disziplinen in den Ringen waren seine Spezialität. Später hat er sich dann ein wenig vom Turnen entfernt und sich vielen unterschiedlichen Kampfsportrichtungen gewidmet, zuletzt sehr intensiv dem MMA und der russischen, militärischen Verteidigungsform dem Systema. 2011 wurde ihm das Olympische Gewichtheben zur Kräftigung der Muskulatur in den Beinen für seine Knie „ärztlich verordnet“, was er dann auch im VfK (dem Verein, in dem er heute im Vorstand als Sportwart sitzt) umsetzte.
Inzwischen ist er aktuell 30 Jahre alt und hauptberuflich Beamter auf Lebzeit bei der Berufsfeuerwehr in Hannover und nebenberuflich Coach und Owner bei CrossFit First Class – Reebok recognized Affiliate in Hannover.

Dass er mir als mein bester Freund, Geschäftspartner und Ehemann natürlich als Mensch sehr wichtig ist, steht auf der Hand. Umso schlimmer nahm mich natürlich sein Schicksal mit.
Das folgende Interview, was ich mit ihm geführt habe, liegt jetzt knapp einen Monat zurück. Zwischenzeitlich hat sich viel getan, worauf ich danach eingehen werde. Auch, wenn es ihm und mir schwer fiel, über seinen Gesundheitszustand an dem wohl kritischsten und bisher schlimmsten Punkt seines Lebens zu sprechen und ihn dadurch dazu gezwungen habe, das Ganze in Worte zu fassen, ist es leider auch der beste Zeitpunkt dafür gewesen.

Hier sein Interview:

Dennis, wie bist du beim CrossFit gelandet und seit wann bist du dabei?

Seit dem 01.01.2013. Meine Frau hat dieses Fitness-Konzept für sich entdeckt und mich zur Eröffnung der 1. Box in Hannover mitgenommen. Einmal ausprobiert hat auch mich dieses Fitness-Konzept überzeugt.

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Dennis bei der Eröffnung der MyBuddies in den Ringen

Die Kurzfassung: Warum bist du Coach geworden?

Seit meinen sportlichen Anfängen im Geräteturnen und Kampfsport hat mir das Weitergeben von Wissen und die daraus resultierenden Erfolge der anderen genauso viel Freude bereitet, wie das Erleben der eigenen Erfolge.
Dazu kommt eine überdurchschnittlich ausgeprägte Fähigkeit Menschen zu Führen und Anzuleiten. Keine schlechte Mischung, um ein Coach zu werden.

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PR im Stoßen beim Nordliga Wettkampf 2015 – letzter Wettkampf (bis jetzt)

Du hast eine aktuelle Verletzung. Erzähl‘ uns etwas darüber: Was ist passiert? Wobei hast du dich verletzt?

Ich habe eine Tendinitis/Tendinose der Patellasehne.
Der Auslöser war vermutlich ein stumpfes Trauma am Knie.
Dadurch soll sich ein Riss vom unteren Rand der Kniescheiben-Spitze (Patella-Spitze) bis zum oberen Ansatz des Sehnenansatzes am Schienbein (Tuberositas tibiae) gebildet haben. Also ein Längsriss über die gesamte Länge der Patella-Sehne.
Es ist fraglich ob das Trauma durch eine Landung beim Sprungdienst oder bei einem Vollkontakt Sparring entstanden ist. Aufgrund meines Lebenswandels (Leistungssport Turnen und Vollkontaktsport im Kampfsport), sowie meinen Berufswahlen (Fallschirmjäger Offizier, Dachdecker, später Berufsfeuerwehrmann und Rettungsassistent) gab es genügend kleinere und größere Blessuren an meinen Knien, die diese Verletzung hätten potentiell entstehen lassen können.
Das alleine ist allerdings noch keine schwere Verletzung, die zwangsläufig zu meiner letztendlich gestellten Diagnose geführt hat. Ich habe diese nicht einmal wirklich bemerkt.

Durch eine chronische Überlastung der Sehne haben sich entzündliche Zellen gebildet. Das bekannte Patellaspitzensyndrom. Hier kann ich definitiv das Zusammenspiel aus Leistungssport und beruflichen Notwendigkeiten, sowie mein damals unzureichendes Wissen über dieses Verletzungsbild für die Entstehung verantwortlich machen. Durch gute ärztliche und physiotherapeutische Behandlung und Betreuung habe ich dieses allerdings für einige Jahre in den Griff bekommen. Durch unausgewogenes Training, unzureichende Regeneration sowie vernachlässigter Mobilität und Dehnung habe ich immer mal wieder Schmerzen entwickelt.

Anfang 2015 standen die CrossFit Open an. Die Nordliga im Gewichtheben war in vollem Gange und zeitgleich fand der Aufbau unserer eigenen Box, das coachen in unserer eigenen Box (CrossFit First Class), sowie mein Dienst bei der Berufsfeuerwehr an. Kurz um mein Ego war zu groß und ich kannte mich „zu gut“ (Sarkasmus) mit dieser Art von Knieschmerzen aus!
Die Schmerzen im Knie wurden immer schlimmer.
Nach nun mittlerweile weit mehr als 14 Monaten bin ich konservativ voll aus therapiert. Keine Therapie hat angeschlagen. Stattdessen kann man in den diversen MRT Bildern die deutliche, fortschreitende Degeneration der Sehne nachvollziehen.
In zwei Tagen werde ich operiert.
Noch ist nicht klar wieviel ich von meiner ursprünglichen Sehne behalten kann und in welchem Rahmen eine andere Sehne mit darübergelegt werden muss. Klar ist leider, dass mittlerweile auch ein kleiner Teil des Knochens beteiligt ist. Dieser Teil wird mit entfernt. Danach sehe ich weiter.

Nicht jeder Verlauf eines Patellaspitzensyndroms gipfelt in dieser Tendinitis/Tendinose. Ich musste das Leistungsturnen damals wegen einem Tennis-Ellenbogen links und einem Golfer-Ellenbogen rechts aufgeben. Beides sind Erkrankungen der Sehnen am Ellenbogen. Ich habe diese soweit austherapiert und im Griff, dass ich damit ohne Probleme CrossFit als Leistungssport ausüben konnte. Es besteht bei mir also eine Neigung zu Sehnenerkrankungen.
Ich habe einfach Pech gehabt!

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Was hast du für Therapien hinter dir?

  • Schonung
  • Physiotherapie in vollem Umfang (weit über 30 Behandlungen)
  • Radiale Stoßwellentherapie
  • Fokussierte Stoßwellentherapie
  • Low Level Lasertherapie
  • Injektionstherapie (Polidocanolsklerosierung)
  • Kollagen-I-Induktion mit Nitro-Spray
  • Exzentrisches Krafttraining in diversen Formen und Ansätzen

Wie sehen die zukünftigen Therapien / Behandlungen aus?

  • Operativer Eingriff:
    Teilresektion der Patellasehne – eventuell eine aus dem Körper entnommene Sehne zur Verstärkung darüberlegen.
  • Physiotherapie und Wiedereinstieg in den Sport und Beruf

Wie sehr schränkt dich die Verletzung im Alltag ein?

So massiv, dass ich mein gesamtes Leben verändern und neu ausrichten musste.

Beruflich gesehen musste ich aus dem „normalen“ Dienstgeschehen eines Feuerwehrmannes und Rettungsassitenten intern weichen und mich auf einen anderen Dienstposten bewerben. Jetzt bin ich zusätzlich ausgebildeter Leitstellendisponent bei der Berufsfeuerwehr. Als Box-Owner sowie Coach im CrossFit und Gewichtheben kann ich kaum richtig wirken. Vormachen von Übungen, die die unteren Extremitäten beinhalten sind einfach nicht möglich. Alleine länger Stehen und das simple Umhergehen während der Coachings ist mir nicht mehr möglich.

 

Einkaufen, Treppensteigen und das Erledigen von Alltagsaufgaben wie Aufräumen sind nur unter starken Schmerzen und einem deutlichen Anschwellen der Sehne möglich. Anschließend ist mein Knie für eine gewisse Zeit deutlich bewegungseingeschränkt und noch schmerzender.

 

 

Wie sehr schränkt es dich in deinem Sport ein?

Massiv. Ein Training der unteren Extremitäten ist nicht mehr möglich. Auch statisches Halten von Belastungen wie rumänisches Kreuzheben oder vorgebeugtes Rudern, einfaches Beineheben oder dem Rechtwinkelstütz (L-sit) sind mir nicht möglich. Weder Yoga, Pilates noch Mobility-Übungen sind ohne ein starkes Anschwellen der Sehne und eine damit einhergehende Bewegungseinschränkung und starken Schmerzen im Knie nicht mehr möglich.

Wie gestaltest du dein eigenes Training?

Ich trainiere die Übungen die möglich sind wie: Bankdrücken, Bankziehen, Schulterdrücken, Klimmzüge, Seilklettern und Dips. Und das war es dann tatsächlich auch schon mit den funktionellen Mehrgelenksübungen. Seitdem sich die Schmerzen noch weiter verschlimmert haben, habe ich mir einen Seilzug gebaut. Mit diesem mache ich jetzt einmal wöchentlich klassisches Isolationstraining für den Trizeps. Außerdem stehen diverse Formen von Curls auf meiner Todo-Liste.

Was die Gymnastics im CrossFit angeht, trainiere ich im Handstand so ziemlich alles was man ohne viel Schwung zu nehmen machen kann. Turnerisches in den Ringen oder an der Stange ist außer „strict work“ auch nicht mehr möglich. Alleine durch die Streckung der Beine bzw. dem „Spannung“ halten in den Beinen, provoziere ich wieder ein Schwellen und Schmerzen der Sehne.

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Benchen mit „Rollo“ als Spotter 😀

 

Was ich also genau mache?
2 Tage pro Woche Pumpen! Mit gymnastischen Assistenz-Übungen und einmal wöchentlich nem „dicke Flügel Spezial Workout“ am Seilzug, der SZ-Stange und den Kurzhanteln – fast alles im Sitzen.

 

Du bist CrossFit Coach und Oly Coach – wie gestaltet sich das Coachen mit deiner Verletzung? (Vormachen, Erklären, Stehen, Gehen)

Mittlerweile habe ich einen Weg gefunden zu Coachen ohne die Sehne zu überlasten. Ich sitze auf einem Stuhl und zeige an erfahrenen CrossFittern wie das Warmup, die Übung oder das Wod auszusehen hat.

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Coaching im Sitzen

Allerdings gestaltet sich gerade das Coachen von Anfängern in Foundation-Kursen oder den olympischen Disziplinen des Gewichthebens als besonders schwierig. Hier ist es mir mit dieser Art des Coachings nur schwer möglich einzugreifen. In solchen Fällen nehme ich eine Überlastung der Sehne in kauf und gehe viel umher, korrigiere oder mache vereinzelt dann doch noch mal die ein oder andere Übung vor. 

Ich weiß, dass das ist nicht besonders gut für mich ist.

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Olympic Weightlifting technique training

 

 

Begeben sich Menschen in meine Obhut, egal ob als Sportler oder als Hilfesuchende, vertrauen sie mir ihre Gesundheit und ihr Leben an. Ob Coach oder Feuerwehrmann oder Soldat, für mich hat das eigene Wohl schon immer hinter dem Wohl der anderen angestanden.

 

Wie sehen dich die Mitglieder? Was glaubst du bzw. welches Feedback gibt man dir mit deiner Verletzung?

Ich vermute das ich durch meine Verletzung bei den meisten Mitgliedern nichts an Anerkennung oder Autorität verloren habe. Um ein guter Coach zu sein muss man kein hervorstechender Athlet sein. Wenn man zu sehr mit sich selbst als Sportler beschäftigt ist, verliert man den Blick für die anderen.

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Judge bei den Mybuddies

Bisher habe ich nur Mitgefühl und Verständnis für meine Lage entgegengebracht bekommen. Allerdings gehört mir die Box auch zum Teil, ich übe einen sehr angesehenen Beruf aus und kann auf Erfahrungen als Kinder- und Jugendtrainer im Leistungsturnen sowie Kampfsport und der Menschenführung als Fallschirmjägeroffizier zurückgreifen. Das verschafft mir ein gehobenes Ansehen und führt vermutlich zu dieser hohen Akzeptanz.

 

Hilft die CrossFit-Community?

Die CrossFit-Community ist etwas Besonderes. Sie fängt dich auf wenn du fällst und hebt dich zu neuen Bestleistungen.

Als Box-Owner und Coach ist es meine Aufgabe solch eine positive und motivierende Community entstehen zu lassen, sie zu lenken. Mitglieder dieser Community aufzufangen, wenn sie Krankheitsbedingt, Verletzungsbedingt oder aus anderen privaten Gründen ihre Ziele nicht erreichen. Es ihnen physisch oder vereinzelt psychisch nicht gut geht und sie Unterstützung brauchen. Jeder CrossFitter ob mehr oder weniger ambitioniert kennt die Angst vor dem verlieren seiner „Gainz“ wenn er, aus welchen Gründen auch immer, zwei Wochen pausieren muss. Und weil diese Community funktioniert, gelebt wird und es der Gruppe wichtig ist zu wissen wie es den einzelnen Mitgliedern geht, erzählen diese auch von ihren Sorgen, Nöten und Ängsten. Sie suchen vertrauensvoll den Beistand der Community und vor allem den Beistand der Owner und Coaches.

Was aber, wenn man maßgeblich an der Stimmung einer Gruppe mitwirkt, sogar für diese verantwortlich ist und es einem selber alles andere als gut geht?
Wenn man einen Großteil seines Lebens umstellen, sogar ganz neu ins ungewisse ausrichten musste?
Dieser Aufgabe habe ich mich in den vergangenen Monaten stellen müssen und werde mich dieser auch in den kommenden Monaten stellen.

Ich habe gelernt so lange ein Problem nach dem anderen zu lösen bis man die Aufgabe oder den Auftrag (meine Brüder werden mich verstehen) erfüllt hat. Ein Fuß vor den anderen, ein Schritt nach dem anderen. Bis man angekommen ist. Bis die Aufgabe oder der Auftrag erfüllt ist.

Hat mir die Community geholfen? Sie hat mich teilweise abgelenkt in dem sie mir meinen Platz in der Community bewusstgemacht hat. In dem sie mir Aufgaben zum Lösen aufgegeben hat. Dabei ging es mir oft alles andere als gut. Das ist mein Platz und meine Aufgabe. Einzelne Menschen die ich glücklicherweise zu dieser Community zählen darf haben mir geholfen. Vor allen anderen meine wundervolle Frau.

Hilft das Coachen deiner Psyche?

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Nordliga Wettkampf Jon und Dennis – Einmal Coach immer Coach

Das Coachen hat mir psychisch sehr geholfen. Messbare Erfolge und die Freude der Athleten, wenn sie etwas erreicht haben was sie vorher nicht für möglich gehalten haben oder lange und hart dafür trainiert haben, war und ist für mich ein persönlicher Erfolg. Es gab einen Zeitraum in dem ich kaum imstande war zu Coachen.
Der war sehr schwierig für mich.
Aus solch einem Tief hat mich einer unserer Master-Athleten herausgeholt. Die simple Frage ob ich ihn als Coach trainieren und ihn zu dem EMT (European Master Throwdown) begleiten würde, gab mir einen neuen Schub. Er hat es tatsächlich bis ins Finale geschafft und ich werde ihn auf Krücken dorthin begleiten. Dieses Vertrauen in meine Erfahrung, Fähigkeiten und Fertigkeiten – trotz meinen derzeitigen mittelfristigen Einschränkungen – ist sportlich gesehen das wichtigste für mich.

 

Was würdest du Menschen, die eine ähnliche Verletzung oder Einschränkung haben gerne bezüglich CrossFit mit auf den Weg geben?
Welchen Rat hast du? Welche Empfehlung?

CrossFit ist für jedermann.
Daran glaube ich nicht nur, weil ich ein Box-Owner und Coach bin. Auch mit Einschränkungen lassen sich nahezu alle Übungen anpassen. Allerdings muss man auch akzeptieren, dass manche Übungen ganz ausgeschlossen werden müssen.
In einer guten Box helfen euch erfahrene Coaches diese Einschränkungen gegebenenfalls zu akzeptieren und trotzdem an den Wod´s teilzunehmen.
Hört nicht auf euch zu bewegen. Es ist etwas Besonderes die einzigartige Community zu erfahren, sowie die Chance zu haben die positive und motivierende Stimmung mit in den Alltag zunehmen.

Mein eigener Sport ist zurzeit eher Krafttraining. Das ist auf den Umstand der Verletzung und der Zeit für den Sport zurückführen. Wenn ich nicht im Dienst der Bürger stehe, kümmere ich mich um unsere Box und die Community oder coache ein Wod.

Für mich ist CrossFit eine einzigartige Community zu erschaffen, coachen und anderen Helfen eine bessere Version ihrer selbst zu werden.

Auch Dennis hat vor seiner Verletzung an diversen Competitions im CrossFit teilgenommen. Ich habe ihn damals am Rand des „Spielfeldes“ gesehen – obwohl ich immer glaubte ihn als seine Frau gut zu kennen, habe ich ihn als Wettkämpfer nicht wiedererkannt. Es ist so, wie er sein Verhalten beschreibt: als stellt er einen Schalter um und funktioniert. Dabei sieht man ihm nicht an, ob er Schmerzen hat oder nicht – er macht einfach. So etwas habe ich bisher noch bei keinem Menschen in dieser Form gesehen. Man selbst kennt es, die Zähne zusammen zu beißen – doch Dennis hat dies in meinen Augen neu erfunden.

Zu Beginn habe ich Dennis‘ beruflichen und sportlichen Werdegang relativ ausführlich aufgelistet – nicht in dem Umfang, den er eigentlich hat aber in einem, den Dennis (mit ein wenig Widerwillen) akzeptiert hat. Das habe ich getan, weil es sehr wichtig ist, um zum einen die gesundheitlichen Ausmaße nachvollziehen zu können und – noch viel wichtiger – verstehen zu können, WARUM Dennis so einen Charakter hat. Wer im Dienst der Bevölkerung steht und diese Berufe bereits so früh wählt, hat zwangsläufig einen Charakter, der Aufgeben als keine Option sieht und deshalb anstrebt, weit über den Gesundheitszustand hinaus arbeiten und funktionieren zu wollen UND zu können.

So leben und handeln ist von Außen betrachtet ein Stück weit beeindruckend – oft hat Dennis wesentlich jüngere und augenscheinlich fittere Menschen bei (internen und externen) Wettkämpfen Staubschlucken lassen und so einige erstaunt. Z.B. bei der WOD Arena 2014 mit Maxi Henze an der Seite (der es ürbigens dieses Jahr als einziger Deutscher zu den Regionals geschafft hat) – ohne in seinem Schatten zu stehen. Und auch als Gewichtheber habe ich selten so viel Ergeiz und Willen gesehen.
Ich habe ihn damals „den Zwinger“ getauft – denn manchmal wirkte es so, als würde er Zeit und Kraft einfach zwingen so zu funktionieren, wie er es gern wollte. 😀

Doch der Preis solchen Handelns kann hoch sein.

Inzwischen ist ein wenig Zeit vergangen – Dennis hatte vor drei Wochen seine OP.
Es war dem Operateur und allen Beteiligten bereits vorher bewusst, dass sie unter der Haut ein degenerierter Sehnenteil begrüßen würde. Dennoch wurde auch im Nachhinein der ungewöhnliche Befund kundgetan.

Diagnose: Schwere Tendinose, Teilnekrose der Patellasehne

Es musste keine körpereigene Sehne über die Patella gelegt werden, sondern es wurde, wie geplant, eine Teilresektion vorgenommen (das degenerierte Gewebe wurde entfernt und ausgekratzt) und der Sehne wurden Entlastungsschnitte im Faserverlauf zugefügt.
Der weitere Verlauf des Heilungsprozesses ist sehr schwammig formuliert – man kann keine konkreten Angaben machen, da ein solcher Befund tatsächlich noch nicht ausreichend protokolliert wurde.

Die ersten zwei Wochen hieß es für Dennis Bein Hochlegen und auf Krücken Gehen, ein langsames Beugen des Knies bis maximal 90° ohne Gewichtsbelastung. Danach nun langsame Vollbelastung (ohne aktive Beugung des Knies unter 90°), also Gehen ohne Krücken für überschaubare Wege. Dies soll noch weitere vier Wochen so weitergehen.
Dennis hat Glück bei der Physiobehandlung und wird im Therapiezentrum Langenhagen von Kai Stimpel (Master of Science) behandelt und darf sogar in einem Antigravitationslaufband mit lediglich 20% Körpergewicht Gehen lernen.
Wen sein aktueller und weiterer Gesundheitszustand interessiert, kann sich gern auf seinem Instagram-Profil informieren.

Inzwischen kann er schon wieder ganz gut kleinere bis mittelgroße Strecken OHNE KRÜCKEN hinter sich bringen. 🙂

Unabhängig davon, wie ich zu Dennis stehe und wie nah ich in dieser Zeit an seiner Seite war (und natürlich auch weiterhin sein werde), empfinde ich sein Interview als erstaunlich ehrlich.
Als Geschäftspartnerin bzw. auch als Kollegin betrachtet, hat Dennis uns soviel trotz seines Gesundheitszustandes unterstützt und trotzdem hat er uns so sehr gefehlt und tut es aktuell noch immer. Mitgliedern, Freunden, sowie auch uns Coaches. Es gibt inzwischen Mitglieder bei uns, die Dennis als Coach nicht kennengelernt haben und seine aufopfernde Art und sein hervorragendes Coaching noch gar nicht erleben durften.
Es macht mich glücklich, dass ich den Lichtblick erkennen kann, dass sich das wieder ändern wird.

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Danke, Dennis, für deinen ehrlichen und menschlichen Beitrag zu meinem Projekt – ich weiß, wie schwer dir das gefallen ist.

Und allen Lesern: Danke für’s Lesen!

Vorschau für den nächsten Post:
CrossFit restricted – Knee issues part 5
Movements for people with knee issues

 

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Ein Kommentar zu “CrossFit restricted – Knee issues part 4

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